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Wirtschaft

01.11.2017 - Artikel

Stand: Februar 2018

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung und -struktur

Die aserbaidschanische Volkswirtschaft wird von der Erdöl- und Gasindustrie geprägt. Die 2005 angelaufene Förderung reicher Öl- und Gasvorkommen schlug sich bis 2010 in hohem Wachstum des BIP und positiven Außenwirtschaftsdaten nieder. Der Einbruch der Weltölpreise belastet die überwiegend auf Öl-und-Gasexporte angewiesene aserbaidschanische Wirtschaft stark. Am 21. Dezember 2015 hat die Zentralbank die rigide Stützung des Wechselkurses der Landeswährung aufgegeben und ist zum „managed floating“ übergegangen. Als Ergebnis dieser Maßnahme verlor der aserbaidschanische Manat umgehend rund 50% gegenüber US-Dollar und Euro. Auch 2016 setzte sich dieser Trend fort. In den ersten zehn Monaten von 2016 schrumpfte die Wirtschaft um 3,7% (im Nicht-Öl Sektor um 5,5%). Die Diversifizierung und Reform der Wirtschaft ist erklärtes Ziel der Regierung. Insbesondere die Landwirtschaft (+1,8%) und der Einzelhandel (+2,1%) haben sich 2016 positiv entwickelt. Der Bausektor hat einen Anteil von rund 20% am BIP, der Groß- und Einzelhandel von gut 15% und die Landwirtschaft von 10%; in diesem Wirtschaftszweig sind fast 40% der Aserbaidschaner beschäftigt.Ende 2017 konnte sich die Wirtschaft des Landes  leicht erholen – das hing vor allem mit dem stetigen Anstieg des Ölpreises seit Juli 2017 zusammen. 
Dank der Inbetriebnahme des Gasfeldes „Shah Deniz 2“ und einer leichten Erholung der Privatwirtschaft soll Aserbaidschan 2018 wieder auf den Wachstzumskurs zurückkehren (BIP 2017: 1,0%, Prognose BIP 2018: +1,3%). 

Erdöl- und Erdgasförderung

Nach aktuellen Angaben des Erdölkonzerns BP werden die gesicherten aserbaidschanischen Erdölvorkommen auf 7,0 Mrd. Barrel und die Erdgasreserven auf 1,1 Bill. cbm beziffert.

Die Erdölförderung lag im Jahr 2016 bei 41,6 Mio. t (Höhepunkt war im Jahr 2010 mit über 50 Mio. t). Seit Juni 2006 führt die BTC-Erdölpipeline von Baku über Tiflis in Georgien zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Neben BTC bestehen zwei weitere Pipelines mit geringerem Transportvolumen zum Schwarzen Meer, nach Supsa (Georgien) und Noworossijsk (Russland).

Aus dem größten Erdgasfeld 'Shah Deniz' wird seit Ende 2006 gefördert. 2016 wurden 29 Mrd. cbm Gas gefördert. Somit wurde das Ziel, bis zum Jahr 2020 das nationale Fördervolumen auf mehr als 20 Mrd. cbm pro Jahr zu erhöhen, frühzeitig erreicht. Bis 2025 soll die Menge auf 50 Mrd. cbm pro Jahr ausgebaut werden, davon soll die Hälfte exportiert werden. Aserbaidschan will seine Chancen als Produzent und als Transitland für Energie aus Zentralasien nach Europa nutzen. Das Erdgas aus 'Shah-Deniz' wird zum Teil über die Baku-Tiflis-Erzurum Pipeline (BTE) in die Türkei und weiter Richtung Europa geleitet.

Am 20. September 2014, dem 20. Jahrestag des 'Vertrags des Jahrhunderts', wurde der Grundstein für den Südlichen Gaskorridor gelegt. Über die Transanatolische Pipeline (TANAP) via Georgien und Türkei sowie die Transadriatische Pipeline (TAP) weiter über Griechenland, Albanien und durch die Adria nach Italien soll bis Ende des Jahrzehnts Gas aus der Kaspischen Region und dem Nahen Osten nach Europa fließen. Einen wichtigen Baustein des Projektes stellt die Inbetriebnahme des  Gasfeldes „Shah Deniz 2“, in welches bisher 28 Mrd. US-Dollar investiert wurden. Das Projekt soll bis Mitte 2018 fertiggestellt werden und die Kapazität der Gasproduktion um weitere 16 Mrd. m3 erhöhen (aktuelle Produktion: 10,8 Mrd. m3). Bereits Ende 2018 sollen die ersten Gaslieferungen an Georgien und die Türkei erfolgen, Lieferungen nach Europa dann 2019/2020.Eine wichtige Voraussetzung für  den Bau einer transkaspischen Gaspipeline von Turkmenistan nach Aserbaidschan ist Unterzeichnung einer Konvention zum Rechtsstatus des Kaspischen Meeres durch die Anrainerstaaten.

Außenwirtschaft

Marktwirtschaft und freier Außenhandel sind erklärte wirtschaftspolitische Ziele der Regierung. Verhandlungen über einen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) laufen seit 1997.

Aserbaidschan verzeichnete im September 2016 einen Handelsbilanzüberschuss von 3,4 Mrd. USD. Ein wichtiger Handelspartner ist die EU, in die 2016 ca. 43% aller Ausfuhren gingen. Importe aus der EU machten rund 20% der Gesamteinfuhr aus. Es folgte die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit ca. 7% der Exporte und rund 20% der Gesamtimporte. Der Exportanteil an fossilen Energieträgern liegt bei rund 90% und trug 2015 28,2% zum BIP bei. Eine der wichtigsten Messen in Aserbaidschan mit überregionaler Bedeutung ist die jährliche in Baku stattfindende „International Caspian Oil and Gas Exhibition“.

Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus. Bis Juli 2016 bezog Deutschland Erdöl im Wert von knapp 94 Mio. Euro aus Aserbaidschan. Damit liegt das Land derzeit auf Platz 5 der wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands.

Haushalt und Finanzen

Die Staatseinnahmen belaufen sich 2016 voraussichtlich auf 2,9 Mrd. USD, wovon ein Großteil aus dem Ölfonds SOFAZ transferiert wird. Bei budgetierten Ausgaben von 6,7 Mrd. USD können allerdings staatliche Infrastrukturinvestitionen nicht in dem Ausmaß vorgenommen werden, wie geplant. Schwerpunkte sind Infrastrukturprojekte, Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Lebensmittelsicherheit, Entwicklung privater Unternehmen und Landwirtschaft.

Die Inflation belief sich nach offiziellen Angaben für 2016 und 2017 auf 12%; in 2015 waren es noch 4,2%. 2018 wird ein leichter Rückgang auf 8,0% prognostiziert.
Die Auslandsverschuldung betrug im Oktober 2016 7,65 Mrd., entsprechend 20.1% des BIP. Die staatlichen Währungsreserven erreichten Ende 2017 rund 5,2 Mrd. USD.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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