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Wirtschaft

19.12.2018 - Artikel

Stand: Dezember 2018

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung und -struktur

Die aserbaidschanische Volkswirtschaft wird von der Erdöl- und Gasindustrie geprägt. Die 2005 angelaufene Förderung reicher Öl- und Gasvorkommen schlug sich bis 2010 in hohem Wachstum des BIP und positiven Außenwirtschaftsdaten nieder. Der Einbruch der Weltölpreise belastet die überwiegend auf Öl- und Gasexporte angewiesene aserbaidschanische Wirtschaft stark. Am 21. Dezember 2015 hat die Zentralbank die rigide Stützung des Wechselkurses der Landeswährung aufgegeben und ist zum „managed floating“ übergegangen. Als Ergebnis dieser Maßnahme verlor der aserbaidschanische Manat umgehend rund 50% gegenüber US-Dollar und Euro. Auch 2017 setzte sich dieser Trend fort. In  2017 wuchs  die Wirtschaft um 0,1 % (im Nicht-Öl Sektor um 2,7%). Die Diversifizierung und Reform der Wirtschaft ist erklärtes Ziel der Regierung. Insbesondere die Landwirtschaft (+4,2%) und der Einzelhandel (+2,5%) haben sich 2017 positiv entwickelt. Der Bausektor hat einen Anteil von rund 9,5% am BIP, der Groß- und Einzelhandel von gut 10,4% und die Land- und Forstwirtschaft von 5,6%; in diesem Wirtschaftszweig sind fast 40% der Aserbaidschaner beschäftigt. Seit Ende 2017 erholt sich die Wirtschaft des Landes  leicht  – das hängt vor allem mit dem stetigen Anstieg des Ölpreises seit Juli 2017 (82$ per Barrel /10.2018) zusammen. 
Dank der Inbetriebnahme des Gasfeldes „Shah Deniz 2“ und einer leichten Erholung der Privatwirtschaft ist  Aserbaidschan 2018 wieder auf den Wachstumskurs zurückgekehrt (Prognose BIP 2018: 2,0%, BIP 2019: +3,9%). 

Erdöl- und Erdgasförderung

Nach aktuellen Angaben des Erdölkonzerns BP werden die gesicherten aserbaidschanischen Erdölvorkommen auf 7,0 Mrd. Barrel und die Erdgasreserven auf 1,1 Bill. Kubikmeter beziffert.

Die Erdölförderung lag im Jahr 2017 bei 38,7 Mio. Tonnen (Höhepunkt war im Jahr 2010 mit über 50 Mio. Tonnen). Seit Juni 2006 führt die BTC-Erdölpipeline von Baku über Tiflis in Georgien zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Neben BTC bestehen zwei weitere Pipelines mit geringerem Transportvolumen zum Schwarzen Meer, nach Supsa (Georgien) und Noworossijsk (Russland).

Aus dem größten Erdgasfeld 'Shah Deniz' wird seit Ende 2006 gefördert. 2017 wurden 28,6 Mrd. Kubikmeter Gas gefördert. Somit wurde das Ziel, bis zum Jahr 2020 das nationale Fördervolumen auf mehr als 20 Mrd. cbm pro Jahr zu erhöhen, frühzeitig erreicht. Bis 2025 soll die Menge auf 50 Mrd. cbm pro Jahr ausgebaut werden, davon soll die Hälfte exportiert werden. Aserbaidschan will seine Chancen als Produzent und als Transitland für Energie aus Zentralasien nach Europa nutzen. Das Erdgas aus 'Shah-Deniz' wird zum Teil über die Baku-Tiflis-Erzurum Pipeline (BTE) in die Türkei und weiter Richtung Europa geleitet.

Am 20. September 2014, dem 20. Jahrestag des 'Vertrags des Jahrhunderts', wurde der Grundstein für den Südlichen Gaskorridor gelegt. Über die Transanatolische Pipeline (TANAP) via Georgien und Türkei sowie die Transadriatische Pipeline (TAP) weiter über Griechenland, Albanien und durch die Adria nach Italien soll bis Ende des Jahrzehnts Gas aus der Kaspischen Region und dem Nahen Osten nach Europa fließen. Einen wichtigen Baustein des Projektes stellt die Inbetriebnahme des  Gasfeldes „Shah Deniz 2“ dar, in welches bisher 28 Mrd. US-Dollar investiert wurden. Dadurch soll die Kapazität der Gasproduktion um weitere 16 Mrd. Kubikmeter erhöht werden (aktuelle Produktion: 10,8 Mrd. Kubikmeter). Bereits Ende 2018 sollen die ersten Gaslieferungen an Georgien und die Türkei erfolgen, Lieferungen nach Europa dann 2019/2020. Eine wichtige Voraussetzung für den Bau einer transkaspischen Gaspipeline von Turkmenistan nach Aserbaidschan ist die Unterzeichnung einer Konvention zum Rechtsstatus des Kaspischen Meeres durch die Anrainerstaaten. Die Einigung der 5 Anrainerstaaten im August 2018 über den Status des Kaspischen Meers ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung, auch wenn Detailfragen noch weiter verhandelt werden müssen.

Außenwirtschaft

Marktwirtschaft und freier Außenhandel sind erklärte wirtschaftspolitische Ziele der Regierung. Verhandlungen über einen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) laufen seit 1997.

Aserbaidschan verzeichnete in 2017 einen Handelsbilanzüberschuss von 24.257,6 Mio USD. Ein wichtiger Handelspartner ist die EU, in die 2017 ca. 54% aller Ausfuhren gingen. Importe aus der EU machten rund 22,1% der Gesamteinfuhr aus. Es folgte die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit ca. 7,6% der Exporte und rund 27,3% der Gesamtimporte. Der Exportanteil an fossilen Energieträgern liegt bei rund 88%. Insofern ist die jährlich in Baku stattfindende „International Caspian Oil and Gas Exhibition“ eine der wichtigsten Messen in Aserbaidschan mit überregionaler Bedeutung.

Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus. Bis Juli 2017 bezog Deutschland ca. 2,5 Mio. Tonnen Erdöl aus Aserbaidschan. Damit liegt das Land derzeit auf Platz 8 der wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands.

Haushalt und Finanzen

Die Staatseinnahmen belaufen sich 2017 auf 9,67 Mio. USD, wovon ein Großteil aus dem Ölfonds SOFAZ transferiert wird. Bei budgetierten Ausgaben von 10,35 Mrd. USD fielen die staatlichen Ausgaben um 0,9% geringer aus als im Vorjahr. Schwerpunkte bleiben weiterhin Infrastrukturprojekte, Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Abfallwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, Entwicklung privater Unternehmen und Landwirtschaft.

Die Inflation belief sich nach offiziellen Angaben für 2017 auf rund 13% in 2015 waren es noch rund 4%. 2018 wird ein leichter Rückgang auf 7% prognostiziert.
Die Auslandsverschuldung betrug im Juli 20177, rund 7,5 Mrd. USD, was rund 19% des BIP entspricht Die staatlichen Währungsreserven erreichten Ende 2017 5,3 Mrd. USD.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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